Endlich Rentner !
 
Günter's 
( nicht ganz ernst gemeintes )
Tagebuch
 
 
30. Juni 2014
Es ist geschafft. Mein letzter Arbeitstag. Ich bin endlich Rentner.
Jetzt geht mein Leben richtig los.
Ich will einfach das machen, woran mich diese verdammte Arbeit immer gehindert hat.

1. Juli 2014
Ich stehe früh auf, und weiß gar nicht, was ich zuerst tun soll.

Der Rasen muss gemäht werden, 
ich will die Dachrinne reparieren, 
ich muss die Wasserhähne entkalken, 
ich will ein Vogelhäuschen bauen 
und endlich mal „Krieg und Frieden” lesen.
Treffe vor dem Haus meinen Nachbarn. Er ist auch Rentner.
Er läuft unrasiert im Jogginganzug rum, sieht aus wie Jörg Kachelmann nach 30 Tequila.
Er schaut den ganzen Tag Nachmittagstalkshows oder löst Kreuzworträtsel.
Das wäre nichts für mich.

Ich mähe erstmal den Rasen, reinige die Dachrinne und fange mit einem Vogelhäuschen an.
Das Leben ist wunderbar.
 
2. Juli 2014
Der Rasen ist gemäht, die Dachrinne gereinigt und das Vogelhäuschen ist fertig.
Die Piepmätze kommen an und tirilieren fröhlich.
Ich fahre zum Baumarkt, besorge Entkalker für die Wasserhähne.
Der Baumarkt ist voll mit Rentnern. 
Jeden Morgen trifft sich da das Krampfadergeschwader am Holzzuschnitt.
Trübe Tassen.
Fahre nach Hause und entkalke die Wasserhähne.
 
 
4. Juli 2014
Etwas länger geschlafen.
Dann frühstücke ich, und kontrolliere, ob die Wasserhähne nicht neuen Kalk angesetzt haben.
Danach Rasenmähen und Fahrt zum Baumarkt.

Lasse mir Holz für ein weiteres Vogelhäuschen zuschneiden.
Dann hab ich zwei.
Eins für die Vogelmännchen und eins für die Vogelweibchen.

 
8. Juli 2014
Bis Mittags geschlafen.
Dann noch ein Vogelhäuschen für Behinderte gebaut.
Dann Rasen gedüngt, damit er schneller wächst und häufiger gemäht werden muss.

Danach Tee mit meiner Frau! Ich gebe ihr Tipps für den Haushalt. 
Aber manchmal habe ich den Verdacht, ich nerve sie.
Zum Beispiel, wenn wir im Garten zusammen Darts spielen.
Nicht dass wir uns streiten aber warum klebt sie vor dem Werfen immer mein Foto auf die Dartsscheibe?
 
 
 
und wenn ich dann mal ganz lieb war gönnt Sie mir auch eine Flasche
 
 
9.Juli.2014
Soeben habe ich endlich den Rentenbescheid erhalten.
Mal sehen, was Frau Andrea Nahles eingepackt hat.
 
 
14. Juli 2014
Will mal wieder mit einem anderen Menschen reden, und gehe zum Arzt.
Viele Rentner gehen zum Arzt, um mal zu quatschen; ich habe mir Prostatabeschwerden ausgedacht.
Aber er schickt mich nach Hause — Prostata würde bei Kassenpatienten in meinem Alter
nicht mehr behandelt — Rentner hätten genügend Zeit zum Pinkeln?
 
 
19. Juli 2014
Schlafen bis Zwei.
Danach Rasen mähen und ein Vogelhäuschen basteln.
Im Garten stehen jetzt 28 Stück.
Als ich es aufstellen will, entdecke ich auf dem Rasen einen Brief:
Die Vögel haben ihn geschrieben:

Alter, hör auf mit den Scheiß Vogelhäuschen
wir sind satt und es ist uns vor den anderen Tieren peinlich.”
 
 
25. Juli 2014
Mein Nachbar bietet mir ein Kreuzworträtselheft an.
Ich schau mal rein.

Russischer Fluss mit 7 Buchstaben.
Ach was denkt denn sich der Idiot?
Das ich Zeit habe, mir im Atlas russische Flüsse mit 7 Buchstaben rauszusuchen?
 
28. Juli 2014
Es gibt insgesamt 1.376 russische Flüsse mit 7 Buchstaben.
Die bekanntesten sind: BJELAJA, DNJESTR, IRTYSCH, UTSCHUR und WOLCHOW.

Am Abend Krise mit meiner Frau.
Unser erotisches Leben ist eingeschlafen.
Passiert vielen Rentnern.

Meine Frau schlägt als Lösung vor, wir sollten mal Sex an ungewöhnlichen Orten probieren.


29. Juli 2014
Wir haben die Seiten im Bett getauscht.
Hilft auch nicht.
Habe gelesen, 50% der Männer über 65 nehmen Viagra.
70% davon können sich allerdings nicht mehr daran erinnern, warum.. .
 
 
1. August 2014
Krieg und Frieden lese ich nicht mehr.

Schaue jetzt mehr Nachmittagstalkshows.
Heut ist das Thema „Ich mach Dich kalt, Du blöde Summse”.
Na ja, ein bisschen lehnt sich das ja auch an „Krieg und Frieden an”.


6. August 2014
Meine Frau meint, wir sollen etwas mehr für unsere Körper tun...
Wellness ...
Sobald man Rentner ist, soll alles nur noch Wellness sein.
Man soll die Seele baumeln lassen...

Warum?
Wenn man älter wird, baumelt am Körper sowieso schon so viel.
Da muss die Seele nicht auch noch mit baumeln.
Meine Frau schleppt mich zum Rentner Yoga, zur Rentner Sauna, zum Pilates.
Pilates! Das war für mich bislang der Typ, der Jesus gekreuzigt hat!


11. August 2014
Beim Rentner Yoga soll ich die Figur machen:
„Das Gnu liegt in der Morgensonne”.
Ich mache die Figur „Der Arbeitnehmer betätigt die Stechuhr”.
Werde aus dem Kurs geworfen!


16. August 2014
Habe mit dem Sport aufgehört.
Nur den Jogginganzug trage ich noch ganz gern.
Rasieren tu ich mich auch nicht mehr.
Wenn ich auf die Straße gehe, fragen mich manchmal die Obdachlosen, ob ich einen Euro brauche.

Meine Frau will mich aktivieren und schafft einen Dackel an.
Das ist das Ende.

Wenn der beste Freund eines Mannes, eine Wurst mit Beinen ist, die Purzel heißt, ist es Zeit für ihn, abzutreten.

Dackel wurden Anfang des 20. Jahrhunderts in England gezüchtet.
Ziel der Züchtung war es, eine Nackenrolle zu haben, die selbstständig in die Waschmaschine gehen kann !

Ich schäme mich.
Aber ich geh mit ihm spazieren.
Sitze dann im Wald auf einer Bank, mein Blick fällt auf die Ameisen am Boden.
Tja, die arbeiten und arbeiten, von denen sagt keine „Ich bin in Rente und mach jetzt Pilates”.


19. August 2014
Bin nachts nicht müde.
Wovon auch?
Stehe deshalb auf, setze mich ins Auto und fahre durch die nächtliche Stadt.
Ich lande bei meiner alten Firma, steige aus, streichle das Gebäude.

Auf der Rückfahrt sehe ich, wie an einer Landstraße Türken auf dem illegalen Arbeitsstrich rumstehen und warten, dass sie zur Schwarzarbeit abgeholt werden.
Traurig so was!


22. August 2014
Habe mich dunkel geschminkt, mir einen Schnäuzer angeklebt und reihe mich unter die Türken an der Straße ein.
Im Auto stellt sich raus, die heißen eigentlich Egon, Dietmar, Holger und Christian,
und sind auch Frührentner mit angeklebten Schnäuzern.

Am Nachmittag — Arbeit auf einer Baustelle.
Ich war lange nicht so glücklich!


26. August 2014
Fahre jetzt jeden Morgen mit den andern Rentnern auf die Baustelle.

Nachmittags sitzen wir zusammen und überlegen, was wir noch zusätzlich machen könnten.
Wir wollen eine Firma gründen, einen Konzern erschaffen, wir wollen ackern und malochen.

Eine Geschäftsidee für unseren Konzern haben wir auch schon: Vogelhäuschen.


29. August 2014
In den letzten Tagen war ich ständig mit dem Auto unterwegs.
Deshalb habe ich mit meiner Frau besprochen, dass Sie vorläufig nicht mehr für mich kochen soll.


Autofahren macht Spaß. Essen macht Spaß. Am meisten Spaß macht Essen im Auto. Deswegen besitze ich diese erhöhte Affinität zu Drive-in-Schaltern, speziell in meinem Lieblings-Fast-Food-Restaurant. Das Vergnügen an der Self-Service-Version des Essens auf Rädern wird allerdings erheblich durch die Qualität der Gegensprechanlage gemindert. Ich bin der Überzeugung, daß sie ihren Namen deshalb bekommen hat, weil sie völlig gegen das Sprechen ausgelegt ist.

'Hiere Bechelun hippe,' knarzt es mir aus dem Lautsprecher entgegen der übrigens ein lebender Beweis für die Haltbarkeit von Vorkriegsware ist. Heiliger McDonald! Investment wäre hier angebracht. Als erfahrener Drive-In'er weiß ich allerdings, daß der Herr am anderen Ende des Dosentelefons sich gerade nach meiner Bestellung erkundigt hat. Ich eröffne das Spiel klassisch mit einer Gegenfrage: 'Haben Sie etwas vom Huhn ?'

Aus der Gegensprechanlage tönt ein schwer verständliches Wort, daß allerdings eindeutig mit '...icken' endet. Deshalb antworte ich: 'Gute Idee, junger Freund, aber zunächst möchte ich etwas essen.' Etwas lauter tönt es zurück!

' TSCHIKKEN !'

'Ach so, Sie meinen Chicken. Nö, lieber doch nicht. Haben Sie vielleicht Presskuh mit Tomatentunke in Röstbrötchen ?' 'Hamburger ?', fragt mein unsichtbarer Gegenüber zurück. Wahrheitsgemäß erwidere ich: 'Nein, ich bin Einheimischer. Aber wieso ist das so wichtig für meine Bestellung ?'

'WOLLEN SIE EINEN H-A-M-B-U-R-G-E-R !?'

'Jetzt beruhigen Sie sich mal. Ja ich nehme einen.'

'Schieß'

Stimmt, hatte ich nach der letzten Mahlzeit hier. Mittlerweile ist meine Darmflora allerdings wieder wohlauf, so daß ich denke, ich kann es erneut riskieren.'

'OB SIE KÄÄSE ZUM HAMBURGER MÖCHTEN!?' 'Netter Vorschlag. Ja, ich glaube ich nehme einen mittelalten Pyrenäen-Bergkäse, nicht zu dick geschnitten, von einer Seite leicht angeröstet.'

Ob die nächste verknarzte Meldung aus dem Lautsprecher nun 'Aber sicher doch' oder 'Du *PIEP* ' lautet, kann ich nicht exakt heraus hören. Deutlich verstehe ich hingegen: 'was dazu ?'.

'Doch ja. Ich hätte gerne diese gesalzenen frittierten Kartoffelstäbchen.'

'Also Pommes ?'

'Von mir aus auch die.'

'Groß, mittel, klein ?'

'Gemischt. Und zwar genau zu einem Drittel große, mittlere und kleine.'

'WOLLEN SIE MICH EIGENTLICH VERARSCHEN ??!?' Diese, wiederum sehr laut formulierte, Frage verstehe ich klar und deutlich. Sie verlangt eine ehrliche Antwort:

'Falls das Bedingung ist, hier etwas zu essen zu kriegen: Ja. Also, machen wir weiter?' 'Gut, gut. Etwas zu den Pommes?' 'Ein schönes Entrecote, blutig, und ein Glas 1997er Chianti.' 'ICH KOMM' DIR GLEICH RAUS UND GEB' DIR BLUTIG !!!' 'Machen Sie das, aber verschlabbern Sie den Chianti dabei nicht.' 'SCHLUß JETZT ! Schalter zwei. Sechseurofünfundvierzig.'

Schon vorbei. Gerade wo es anfängt lustig zu werden. Aber ich habe nochein Ass im Ärmel. Ich zahle mit einem 200-Euro-Schein: 'Tut mir leid, aber ich hab's nicht größer.'

*PIEP* freundlich werde ich ausgekontert: 'Kein Problem,' und mit kaltem Blick ausbezahlt, klappert mein Wechselgeld auf dem Stahltresen.

Doch nicht mit mir ! Ich will den totalen Triumph: 'Kann ich ne Quittung haben ? Ist ein Geschäftsessen.' 


Gefunden auf: https://www2.informatik.uni-hamburg.de/fachschaft/wiki/index.php/McDonalds






Der Rentner: Gedicht

Ein Rentner hat nie Langeweile;
im Gegenteil, er ist in Eile.
Denn jedem Rentner weit und breit
fehlt es zu allererst an Zeit.
Kaum aus dem Bett, da soll er schon
zu allererst zum Telefon.
Danach muß er zum Einkauf hetzen,
hat keine Zeit sich mal zu setzen.

Im Anschluß daran - nichts zu Lachen
muß er das Mittagessen machen.
Die Waschmaschine wird bestückt,
die Spülmaschine angeklickt
und zwischen diesen vielen Dingen
im Stehen schnell was runterschlingen.
Bett beziehen, saugen, putzen,
ein Rentner muß die Zeit gut nutzen.

Das Fernsehen ist kein Genuss
weil er jetzt alles sehen muß.
Ein Rentner denkt in seinem Wesen
was ist die Arbeit schön gewesen.
Wie war es damals doch bequem
und bei der Arbeit angenehm.
Ein Arbeitnehmer hat gut Lachen,
der muß ja schließlich Pausen machen.

Denn die Gewerkschaft gibt gut acht
dass jeder seine Pausen macht.
Um neun Uhr läßt er alles fallen
weil dann die Werksirenen hallen.
Die Frühstückspause tut jetzt Not,
bei Kaffee, Tee und Butterbrot.
Um eins ist auch schon Mittagszeit.
Der Arbeitnehmer ist bereit.

Dann, kurz vor zwei, sind alle satt,
man denkt an das was man nicht hat.
Noch vor des Arbeitstages Ende
träumt jeder heimlich von der Rente.

Auch macht dem Rentner viel Verdruß,
was er so alles zahlen muß.
Steuern und auch Krankenkassen
es ist wirklich kaum zu fassen.
Das Geld, es rinnt nur durch die Hände,
vermutlich viel zu wenig Rente.
So hat der Rentner eingesehn
"Früher war das Leben schön." 


Gefunden auf: http://www.myhomeismycar.com/gedichte/rentner/index.php